Ákos Bitter - Deutsche Sprachelemente im Ungarischen als Hilfen beim kognitiven Erwerb des Deutschen

Einsichten aus Unterrichtseinheiten mit ungarischen Deutschlernern

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Über das Buch

Zum Inhalt

Chance, Fenster, Tollpatsch und Wolkenkratzer gehören nicht zum Stammwortschatz des Deutschen. Chance und auch Tollpatsch sieht man das an. Bei Fenster aber, oder bei Wolkenkratzer, das aus einer Lehnübertragung des englischen „skyscraper“ entstand, fällt kein Zeichen der Fremdheit auf. Tollpatsch, das ursprünglich „ungarischer Fußsoldat“ (ung. Talpas nach talp: Sohle) bedeutete, ist eines der wenigen Lehnwörter, die aus dem Ungarischen ins Deutsche gekommen sind.

Umgekehrt wurden jedoch im Laufe der letzten tausend Jahre, u. a. dank der Nähe zum deutschen Sprachgebiet, unzählige deutsche Lehnwörter ins Ungarische übernommen. Noch größer ist die Zahl der Komposita (wie etwa Wolkenkratzer) und anderer, u. a. syntaktischer, Konstruktionen, die wohl (auch) nach einem deutschen Vorbild geprägt wurden. So ist etwa das ungarische felhokarcol? eine Lehnübersetzung des deutschen Wolkenkratzer. Ohne die Wörter sín (dt. Schiene), zokni (dt. Socken) oder die Lehnübersetzung pályaudvar (dt. Bahnhof), also ohne deutsche Sprachelemente, hätte ein Sprecher des Ungarischen große Ausdrucksschwierigkeiten.

Meine Frage an drei Deutschlehrerinnen sowie ihre SchülerInnen und StudentInnen in Ungarn lautete, ob sie es als eine Erleichterung für das Deutschlernen empfinden, wenn sie sich deutsches Lehngut im Ungarischen bewusst machen. Dazu stellte ich ihnen eine Liste von über tausend Lehnwörtern zur Verfügung und bat die Lehrerinnen, je zwei Unterrichtseinheiten zu diesem Thema durchzuführen. Bei den anschließenden Experteninterviews mit Lehrenden und Lernenden zeigte sich, dass sie fast alle diese neue und ungewöhnliche Sicht auf die beiden Sprachen anregend fanden.

Um weitere Fragen zum Lehnwortschatz und dem darin liegenden Potential für den Deutschunterricht zu klären, folgte eine diachrone Analyse der während der Unterrichtseinheiten aufgegriffenen Themen. Auch ältere und neuere Ansätze kontrastiv-komparativen Fremdsprachenerwerbs vor dem…

Schlagworte

Fremdsprachendidaktik, Mehrsprachigkeitsdidaktik, Kontaktlinguistik, Kontrastive Linguistik, Wortschatzarbeit, Ungarisch, Ungarndeutsche, Didaktik, János Juhász, Imre Steindl, Kognitives Lernen, Schulsprachenpolitik Englisch-Deutsch, Fachlehnwortschatz Deutsch-Ungarisch, Deutsche Sprache, Deutsche Kultur, Mitteleuropa, Deutsch als Fremdsprache, DaF

  • Autor*in
    Ákos Bitter
  • Seiten
    472
  • Jahr
    Hamburg 2013
  • ISBN
    978-3-8300-7416-8
  • Fachdisziplin
    Didaktik
  • Schriftenreihe
    LINGUA – Fremdsprachenunterricht in Forschung und Praxis
  • ISSN
    1614-5550
  • Band
    26
  • Fachbereich
    Sozialwissenschaft

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