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Jana Sonntag - „zum Regimente untüchtig“? Herstellung, Erhalt und Beurteilung von körperlicher und geistiger Tauglichkeit im fürstlichen Adel am Beispiel der Herzöge von Braunschweig-…

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Über das Buch

Rezension

„[…] Die Studie kann insgesamt als ein gelungener Beitrag zu den Nicht/Beeinträchtigungs-Studien des Adels betrachtet werden […]. Sie verdeutlicht einmal mehr, wie sehr Fürst:innen gesellschaftlichen und politischen Erwartungen ausgesetzt waren, welche soziale Rollen für sie, unter anderem festgelegt in Fürstenspiegeln, vorgesehen waren, und was geschah, wenn sie davon willentlich oder unwillentlich abwichen, ihre Seele, ihr Geist oder ihr Körper im Lebensverlauf schwer oder gar nicht zu beinflussende Vulnerabilitäten erhielten oder offenbarten. Wie sie selbst damit umgingen und wie soziale Umgebungen dies wahrnahmen und behandelten, hat die Studie detailreich gezeigt […]. Zu dieser höchst heterogenen Gruppenbildung des Adels, die wegen ihrer Elitenfunktion, bislang vielfach außerhalb des Interesses der Forschung stand, wird jetzt glücklicherweise mehr und mehr geforscht, so auch hier im vorliegend besprochenen Werk der Dissertation aus Bremen.“

– Dr. Dr. Claus Heinrich Bill in: Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, 140/2026

Zum Inhalt

Wann galt ein Fürst im 16. Jahrhundert als „tauglich“? Die Studie nimmt erstmals systematisch unter der Perspektive der Dis/ability History der Vormoderne die Differenzierungsprozesse von Tauglichkeit und Untauglichkeit im frühneuzeitlichen Hochadel in den Blick.

Am Beispiel der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg wird untersucht, welche Tauglichkeitskriterien für unterschiedliche soziale Rollen von fürstlichen Männern und Frauen in verschiedenen Lebensphasen zum Tragen kamen. Gesellschaftliche Normen, körperliche Ideale sowie praktische Anforderungen – etwa in Herrschaftsausübung, Kommunikation und Reproduktion – erzeugten hohe Ansprüche an deren körperliche, geistige und habituelle Leistungsfähigkeit. Zugleich wird untersucht, welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen als Zeichen von Untauglichkeit gewertet wurden und mit welchen Bewältigungsstrategien Individuen und ihr Umfeld auf wahrgenommene Funktionsuntüchtigkeit reagierten. Tauglichkeit erscheint dabei nicht als feste Eigenschaft, sondern als sozial ausgehandelte Zuschreibung.

Besonders deutlich werden diese Prozesse in Übergangsphasen, in denen die soziale Position (noch) nicht oder nicht mehr gesichert war. Situationen, in denen Fragen von Tauglichkeit besonders relevant waren, diskutiert wurden und Handlungsweisen hervorriefen, um mit wahrgenommener (Un-)Tauglichkeit umzugehen, waren etwa die Kindheit als Phase der „Ertüchtigung“, die Ehetauglichkeit in Heiratsverhandlungen, die Herrschaftstauglichkeit angehender oder bereits inthronisierter Regenten, Kinderlosigkeit bei fürstlichen Ehepaaren sowie grundsätzlich die Sichtbarkeit von Tauglichkeit. [...]

Schlagworte

Fürstlicher Adel, Dis/ability History der Vormoderne, Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, Tauglichkeit, Krankheit, Behinderung, Herrschaftsfähigkeit, Geschichte, 16. Jahrhundert, Körper, Erziehung, Wahnsinn

Angaben zur Produktsicherheit

Hersteller
Verlag Dr. Kovac GmbH
Leverkusenstraße 13, 22761 Hamburg

E-Mail
info@verlagdrkovac.de

  • Autor*in
    Jana Sonntag
  • Seiten
    290
  • Jahr
    Hamburg 2026
  • ISBN
    978-3-339-14988-6
  • Schriftenreihe
    Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit
  • ISSN
    1435-6627
  • Band
    109
  • Fachbereich
    Geisteswissenschaft

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