Daniel Thalheim - Wilhelm Haller – Bauen zwischen Tradition und Klassischer Moderne

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Über das Buch

Rezension

„[…] Es ist die erste umfassende Würdigung für die von Wilhelm Haller geschaffene Eingangssituation zum Neuen Israelitischen Friedhof, die zu ihrer Zeit auch farblich die Vorüberfahrenden frappiert haben dürfte mit ihren hellblau gestrichenen Wänden und der ziegelroten Kuppel.
In diesem Buch schildert Thalheim, was in alten Akten und Archiven zur Entstehung des Bauwerks zu finden war. Akribisch geht er den Lösungen nach, die Haller für die vielfältigen Nutzungsanforderungen gefunden hat. Er diskutiert die von Haller genutzte Formensprachen, die eben nicht nur die ägyptisch-orientalischen Bautraditionen zitieren, sondern eingebettet sind in die Architekturentwicklungen der Zeit, die für die Zeitgenossen durchaus rasant gewirkt haben dürften. […]
Mit der Veröffentlichung im Verlag Dr. Kovac wird Daniel Thalheims Grundlagenarbeit zur Feierhalle auf dem Neuen Israelitischen Friedhof und Hallers Intentionen, eine genau den Wünschen der Auftraggeber entsprechende Lösung zu finden, jetzt auch für all jene zugänglich, die sich für die vielen durchaus erstaunlichen Wege der modernen Architektur im Allgemeinen und kreative Architekten wie Wilhelm Haller im Speziellen interessieren. […]“

– Ralf Julke in: Leipziger Zeitung, 9. März 2021

Zum Inhalt

Zwischen den Weltkriegen setzte eine große Individualisierung der Architektursprache ein. Eine Reformschule wie das „Bauhaus“ in Deutschland und Künstlergruppen wie „De Stijl“ im niederländischen Leiden, die Wiener Werkstätte, Designer, Künstler und Architekten der „Werkbund“-Netzwerke im deutschsprachigen Raum führten neue künstlerisch-gestalterische Dialekte in das Design und die Architektur ein.

Der aus Schlesien stammende Wilhelm Haller (1884–1956) folgte mit seinem heterogenen Werk den von diesen Reformbewegungen gesetzten Trends. Er selbst gehörte zu keiner der genannten Reformgruppen. Mit seinen Entwürfen, Schriften und Bauwerken tritt er heute als aufmerksamer Beobachter seiner Zeit an uns heran. Sein zentrales Bauwerk ist die 1938/39 im Zuge der Novemberpogrome zerstörte Einsegnungshalle für die Israelitische Religionsgemeinde im Norden von Leipzig. In diesem eindrucksvollen Friedhofsgebäude vereint Haller jüdische Tradition, synagogalen Zweck und eine reichhaltige Formensprache aus der europäischen Kulturhistorie mit der modernen Sprache seiner Zeit.

In der 2006 an der Universität Leipzig am Institut für Kunstgeschichte eingereichten und im Pandemiejahr 2020 neu strukturierten und aktualisierten Magisterarbeit gelingt es dem Autor sowohl die historischen Traditionslinien des sephardischen und chassidischen Judentums am Bauwerk zu diskutieren als auch dieses Gebäude innerhalb der verschiedenen Strömungen der Klassischen Moderne einzubetten. Des Weiteren stellt Daniel Thalheim vermeintliche Stil- und Epochenbegriffe, wie Art Déco und Bauhaus, für die Trauerfeierhalle anhand einer spannenden Quellen- und Literaturdiskussion in Frage und verortet Wilhelm Hallers spätes Schaffen in die vom Architekt selbst favorisierte Bezeichnung „Organisches Bauen“.

Indem der Autor Hallers Biografie und Werk vom späten Deutschen Kaiserreich bis nach Palästina nachzeichnet, fügen sich die Diskussionen um das Wesen der Feierhalle in eine […]

Schlagworte

Jüdische Architektur, Sakralarchitektur, Klassische Moderne, Neues Bauen, Organisches Bauen, Wilhelm Haller, Architektur, Kunstgeschichte, Einsegnungshallen, Friedhofsanlage, Trauerhalle, Haus des Lebens, Kriegerheimstätten, White City

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